Als die Linearmotoren das Fahren lernten
September 5, 2010 10:10 pm AllgemeinIn einer Zeit als die Dampflokomotiven den Fernverkehr dominierten, erhielt der amerikanische Wissenschaftler Charles Grafton Page, von seiner Regierung den damals unglaublichen Zuschuss in Höhe von 20.000 Dollar. Seine Aufgabe war mit einem Linearmotor eine Lokomotive anzutreiben. Damals steckte die Entwicklung von dem Linearmotor noch in den Kinderschuhen. Page stellte sich der Herausforderung und konstruierte die passende Lokomotive zu dem von ihm entwickelten Linearmotor. Dabei gab es genügend prominente Beispiele, bei denen Schienenfahrzeuge mit elektrischem Antrieb gescheitert waren. Doch der ehrgeizige Arzt und Naturwissenschaftler glaubte an den Linearmotor und dessen Leistungsfähigkeit.
So konnte Page auf die Ehrfahrungen seines Landsmanns Thomas Davenport zurückgreifen. 1835 hatte dieser versucht ein Schienenfahrzeug mit einem Elektro-Motor anzutreiben. Der Enkel von dem Erfinder Benjamin Franklin erhielt 1837 sogar das Patent für einen von ihm entwickelten E-Motor. Auch an die Funktionsweise von einem Linearmotor wagte sich Davenport später heran. Seine Version von einer Elektrolokomotive blieb immer ein Modell. Selbst in seinem Laboratorium ruckelte und zuckelte das Miniatur-Schienenfahrzeug mit dem elektrischen Antrieb wenig zuverlässig seine Kreise. Page wusste von den Schwierigkeiten mit denen Davenport zu kämpfen hatte und war sich sicher, dass er mit dem Linearmotor diese Fehler beheben könnte. Außerhalb der Werkstatt von Davenport wurde der von ihm entwickelte Motor nicht in der Praxis eingesetzt. 1840 versucht sich in Frankfurt Johann Philipp Wagner ebenfalls an einem Schienenfahrzeug mit Elektroantrieb. Trotz großem Einsatz und guter Ausstattung des Labors scheiterten auch seine Versuche im Modellstadium.
Page setzte auf seinen Linearmotor. Ende April war es soweit. Die mit einem Linearmotor ausgestatte Lokomotive rollte zu ihrer Jungfernfahrt bei Washington D.C. auf die Gleise. Die notwendige Energie erhielt der Linearmotor aus 50 überdimensionierten Batterien. Dabei erreichte das Fahrzeug ein Gesamtgewicht von zwölf Tonnen. Doch das war nicht das einzige Problem, dessen Lösung Page zu optimistisch eingeschätzt hatte. Nicht einmal eine Stunde dauerte die Testfahrt, dann brachten kaputte Batterien und andere Schäden den Linearmotor auf Schienen zum stehen.
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